Verkauf der Prädien

Die vor und nach dem Jahre 1787 noch übrig gebliebenen unbevölkerten Teilen Südungarns wurden als Prädien und Pußten teils verkauft, teils verpachtet. Die erste Versteigerung der Prädien im Banat fand am 1.August 1781 statt. Lag der Schätzwert unter 30000 fl., war die Versteigerung in Temeschwar, für Prädien über diesem Betrag war die Wiener Hofkammer zuständig.

Die ersten drei Wochentage waren Versteigerungstage. Der Käufer musste die Hälfte des Kaufpreises gleich bezahlen. Solche in der Nähe der heutigen Gemeinde Lazarfeld bestandenen Gemeinden waren: Klek (Altdorf), Torak, Jankowmost und Pußten: St. Mihalj (Mihajlowo), Kenderesch (später Ernsthausen), Despotowatz und Martinze (später Lazarfeld und Sigmundfeld). Auf Teilen von den letztgenannten Pußten (Despotowatz und Martinze) wurde Lazarfeld erbaut und angesiedelt.

Zur Pachtung solcher Prädien und Pußten konnten sich mehrere Personen oder Gemeinden vereinigen, die man „Prädien = Societäten“ (Prädiengeselschaften) nannte, jedoch musste einer aus der Gesellschaft und wenn dies eine Gemeinde war, der Richter (Bürgermeister) die Gutstehung übernehmen. Von den Kameral Prädien hatte die Stadt Großbetschkerek die Pußten St. Mihalj, Martinze, Kenderesch und Despotowatz in Pacht. Die Stadt verpachtete sie bis 1781 wieder an Wiener Viehhändler. Gekauft hat diese der einfache, aus Siebenbürgen stammende armenische Viehhändler Isak Kiss, Pächter des Beljeer Kameral Prädium im Jahre 1781 und zwar St. Mihalj und Kenderesch ganz, von Martinze und Despotowatz aber nur einzelne Teile. Daraus entstanden die Herrschaften Elemir und Itebe.

Für erstere bezahlte Kiss 171750 fl. Für letztere aber 472ooo fl. W. W. Die Itebeer Herrschaft zählte 37000 Joch; es kostete demnach ein Katastraljoch 12,75 fl. im Jahre 1900 waren es 10 Kronen und 20 Heller.Die Herrschaft Etschka, zu welcher die Gemeinden Etschka, Klek und Jankowmost (Jankahid) = Janka Brücke), dann die Pußtenteile Martinze und Despotowatz gehörten, erstand im Kaufwege Kameralsguts Pächter Lukas Lazar (Armenische Abstammung aus Szamosujvar, Siebenbürgen) im Jahre 1782 um den Kaufpreis von 217000 fl. W. W., und nachdem diese Herrschaft etwa 30000 Joche umfasst, entfällt vom Kaufpreis auf ein Joch 7 fl. und 24 kr. W. W. im Jahre 1900 waren es 5 Kronen und 88 Heller.

Beide Grundherren Kiss sowohl, als auch Lazar und die Prädienbesitzer Südungarns haben diese Prädien und Pußten später durch Kolonisten bevölkert, da sie ja zur Bearbeitung ihrer sehr umfangreichen Besitze fleißige Hände nicht entbehren konnten. Kiss siedelte 1793 Kathreinfeld, Lazar 1800 aber Lazarfeld an. Die Ansiedler kamen größtenteils aus den früher angesiedelten Urbarialansiedlungen, wurden jedoch bloß auf eine gewisse Zeitdauer, gewöhnlich auf eine dreißigjährige Dauer angesiedelt mit der Bedingung, dass sie die Felder nach Ablauf des Vertrages der Grundherrschaft wieder zur freien Verfügung übergeben müssen. Sie waren demnach Pächter oder so genannte „Kontraktualisten“.

Zwischen den Kameral- oder Urbarialansiedlungen und jenen der einzelnen Grundherrschaften, die bloß Allodialansdiedlungen, Pächter oder Kontraktansiedlungen waren, bestand demnach ein gewaltiger Unterschied. Die Urbarialansiedler mussten zwar den mit dem Urbarialfelderbesitz verbundenen Abgaben, Zehent- und Robotleistungen usw. den Prädienbesitzer gegenüber entsprechen, das Eigentums- und Nutznießungsrecht war aber ihnen für alle Zeiten gesichert; sie konnten nicht abgestiftet werden wie die Kontraktualisten.Die Kontraktualisten, angesiedelt von Privatherrschaften (wie Lazarfeld), fühlten sich anfangs recht wohl, ihr Wohlstand nahm erfreulich zu und sie hatten fast gleiche Rechte mit den Urbarialisten, ja ihre wirtschaftlichen Verhältnisse waren bezüglich der zu tragenden Lasten bedeutend besser. Das Gefährliche ihrer Lage war ihnen erst klar, als ihre Verträge zur Erneuerung gelangten.

Aufgrund der Gesetzartikel 8., 9., 12. und 13 vom Jahre 1847/48 wurden die Urbarialisten zu eigentlichen Herren und Eigentümer ihres Grund und Bodens und ihr Wohlstand wuchs von Jahr zu Jahr. Dagegen gestaltete das Verhältnis zwischen den Kontraktualisten und deren Grundherrschaft von dieser Zeit an von Jahr zu Jahr schlimmer. Die Privatherrschaften steigerten nach jedem Ablauf des Kontraktes ihre Pachtforderungen und schlossen neue Verträge stets nur auf kurze Zeitdauer ab. In Südungarn gab es eine ziemliche Anzahl von Kontraktualistengemeinden und zu dieser gehörte auch die Gemeinde Lazarfeld, darum wanderten später mehrere Familien ab.

Die Monographie will dem freundlichen Leser die Gründung, das Leben und Wirken, das Wachsen und Blühen, den Aufstieg und den Untergang einer deutschen Pächtergemeinde im Banat, Jugoslawien vermitteln. Weiter will das Buch die 150 jährige Geschichte unseres Heimatdorfes erzählen, der jüngeren Generation von der harten Aufbauarbeit, von den Entbehrungen, sowie über die kulturelle Entfaltung, Sitten und Brauchtum unserer Vorfahren und über die Jahre der grausamsten Vernichtung der Landsleute wahrheitsgetreu berichten. Kolonistenschicksal ist immer:

 

  • Die Ersten fanden den Tod,
  • Die Zweiten die Not,

Und erst die Dritten das Brot.


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