Nach Josef II. folgte sein jüngerer Bruder Leopold II. Auf den Thron. In seiner kurzen Regierungszeit von 1790 – 1792 suchte er mit den Ungarn einen Ausgleich zu treffen. In den wieder errichteten drei Komitate des Banats war anfangs das Lateinische später wieder das Ungarische als Verwaltungssprache eingeführt. Die Deutschen Beamten mussten die ungarische Sprache erlernen, nur so durften sie im Amte bleiben. Gegen die Angliederung des Banats an Ungarn und die Einführung der ungarischen Verwaltungssprache lehnten sich die Serben auf. Sie forderten als freies, eigenes Gebiet die „Temescher Banschaft“ (Banat). Die Grenzgebiete sollten auch weiterhin unter österreichischer Verwaltung bleiben. Der Kaiser ließ ihnen bloß eine Illirische Hofkanzlei in Wien errichten, die aber alsbald aufgelöst wurde. Weiter gewährte er ihren Orthodoxen Bischöfen im ungarischen Parlament (Oberhaus) Sitz – und Stimmrecht. Das Banat, damals bereits von über 60 000 Deutschen bewohnt, trug alle Ansätze – wie schon früher erwähnt, Keimzelle eines schwäbischen Territoriums zu werden. Durch die Aufhebung der Selbständigkeit verschwanden alle rechtlichen Grundlagen für das Eroberte und aufgebaute Gebiet.
Die Serben und Rumänen wurden durch ihre Kirchenorganisationen und Deren Vermögen zusammengehalten. Da die katholische Kirche sich mit Ungarn identifizierte und der deutsche Adel in Südungarn als Armee – und Beamtenadel Raum- und volksfremd war, verblieb den Deutschen nichts Gemeinsames, das Zusammenwachsen zu einem Volkskörper hätte erleichtern können. Kein Monarch brachte es fertig, den deutschen Siedlern ein Sonderrecht als Gesamtheit einzuräumen. Dadurch wurden unsere Ahnen bereits im folgenden Jahrhundert, das im Zeichen des Nationalismus stand, vor die Existenzfrage gestellt.
Nach einer Aufzeichnung vom 29.März 1789 verlor infolge des letzten Türkeneinbruchs das Grenzgebiet 13331 Menschen, davon schleppten die Türken 63 Männer, 230 Kinder, 202 Frauen, 272 Mädchen in die Gefangenschaft, die übrigen flohen oder wurden umgebracht. Man war gezwungen, das schwach bevölkerte Militärgrenzgebiet wieder zu besiedeln. Vor der Neubesiedelung des Grenzlandes mit Deutschen mussten die geflüchteten Serben, die in den besetzten türkischen Gebieten verfolgt wurden, in den von Serben und Deutschen verlassenen Bauernhöfen untergebracht werden. Es waren eigentlich drei deutsche Grenzansiedlungen. Sie begannen 1790. Die Kolonisten stammten aus dem Elsaß, aus Lothringen, Schwaben, Basel, Württemberg und Nassau.
Mit dem ersten Transport kamen 145 mit dem zweiten 735 und mit dem dritten 1045 Siedler. Aus dem Rheingebiet z.b. wurde 1792 aufgebaut und am 24.Juni, es war an einem Sonntag, bezogen die Siedler ihre Häuser. Für das Südbanat und die Grenzgebiete war das Jahr 1794 ein Jahr des Hungers und Elends. Vom November 1793 an fiel weder Regen noch Schnee. Der Januar 1794 war ungewöhnlich trocken und bitterkalt, im Sommer herrschte unerträgliche Hitze. Das Saatgut im Feld und Garten verdorrte und sogar die Brunnen trockneten aus. Die Not war erst im nächsten Jahr groß. Viele Siedler verließen Haus und Hof. Durch Hilfsaktionen versuchte man die Not zu Lindern. Erst die kommende Ernte verbesserte das Leben der Siedler. Mit der Besiedelung des Militärgrenzlandes fand die Ansiedlung der Deutschen in Südungarn, die sich über das 18. Jahrhundert erstreckte, ihren Abschluss.
Nach der Jahrhundertwende wurden nur noch Binnenansiedlungen durchgeführt. (Binnensiedlungen sind aus den Erstansiedlungen neu angelegte Ortschaften). Die Zahl der deutschen Einwanderer in Ungarn betrug insgesamt etwa 150000 Bauern und Handwerker.
Im Jahre 1789 brach in Paris die Revolution aus. Sie sollte, „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ schaffen. Die fürstlichen Nachbarn Frankreichs erklärten den Krieg, und ein zwanzigjähriger Kampf überzog Europa. Die Franzosen überschritten den Rhein und setzten sich im Rheinland fest. Kaiser Leopold II. Starb im Alter von 45 Jahren am 1.März 1792. Ihm folgte sein 24 jähriger Sohn Franz II. (I.) letzter Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation (1792 – 1806 und als Franz I. Kaiser von Österreich (1804 – 1835). Das Deutsche Reich, das Otto I. 926 gründete, brach während des Krieges zusammen. Der Kaiser legte 1806 die Krone nieder. Die meisten Fürsten schlossen sich dem Rheinbund an, dessen Haupt Napoleon wurde.
Unsere Ahnen haben auch in diesem Krieg reichlich Opfer an Gut und Blut gebracht. Die Chronik von der Eggmühler Schlacht bei Regensburg am 21.und 22.April 1809 zwischen Napoleon (Frankreich / Rheinbund) und Erzherzog Karl (Österreich) berichtet: „Zwei Bataillone Deutsch Banater kämpften unter ihrem General Stutterheim (Österreich) und vollbrachten am Deisenberg bei Eggmühl Wunderder Tapferkeit. Gegen eine erdrückende Übermacht hielten die Deutsch Banater einen ganzen Tag ihre Stellung. Ein Großteil von ihnen ruht im Massengrab auf dem Deisenberg“. Diese Heldentat unserer Donauschwaben ist in der Heimatgeschichte wohl kaum bekannt. Ich fand zufällig diese Chronik im Pfarramt Unterlaichling.
Bevor wir die Ansiedlungsgeschichte Südungarns schließen, wären noch die Preise der Gerätschaften, des Viehs und der Lebensmittel in der Ansiedlungszeit zu erwähnen. Es kostete ein Holzpflug 2 fl. (Florin) 30 kr. (Kreuzer), ein Pferd 20 fl., eine Kuh 15 fl., ein zweijähriges Mutterschwein 3 fl., ein Beschlagener Wagen 30 fl., ein Paar Pferdegeschirre 3 fl. 45 kr., ein Oka (2 ¼ Pfund) Fisch war 14 Kreuzer, ein Pfund Rindfleisch 3 Kreuzer, ein Pfund Kalbfleisch im Sommer 3, im Winter 4 Kreuzer, ein Pfund Kerzen 9 Kreuzer, eine Maß (zwei Halbe) Bier 4 Kreuzer, ein Metzen (40 Liter) Weizen 1 fl. 48 kr., ein Laib Brot zu 3 Pfund und 28 Lot ( 1 Lot = 15 Gramm) 3 Kreuzer, zu 8 Pfund 6 Kreuzer, ein Zentner Semmelmehl 2 fl. 7 ½ Kreuzer, ein Zentner Mundmehl 3 fl. 45 kr. W. W. (Wiener Währung). Aus diesen Angaben ist ersichtlich, dass die Preise der Lebensmittel, des Viehs usw. sehr niedrig waren. Ein Landarbeiter (Knecht) verdiente damals nebst Unterkunft und Verpflegung 10 – 14 Zentner Weizen, einen Anzug, ein Paar Schuhe und Leibwäsche. Der Preis eines Zentner Weizen betrug etwa 1 fl. 50 kr., so war der Jahresverdienst des Landarbeiters 20 fl. oder täglich 6 Kreuzer.