Banat nach der Türkenherrschaft

Nach der Befreiung von den Türken sah es im Banat, (genannt Temescher Banat) worunter die gewesenen Komitate Torontal, Temesch Krascho Sörenj, zwischen Marosch und Theiß, Donau und Karpaten zu verstehen sind, sehr traurig aus. Viele vorher blühende Ortschaften wurden von den Türken gänzlich verwüstet, ja sogar ihr Name verschwand. Andere Gemeinden lagen in Schutt und Asche. Nach der Türkenvertreibung waren im Tschanader, Betschkereker und Pantschowarer Bezirk 104 Ortschaften ganz verödet, 51 nur teilweise bewohnt und in der ganzen Tschanater Diözese gab es nur fünf katholische Pfarreien und zwar in Mako, Altarad, Festung Arad Borosjenö und Orawiza. Vor dem Türkenkrieg bestanden in der Tschanader Diözese 139 katholischen Pfarreien.

Diese Zahlen zeigen uns am deutlichsten die schreckliche Verwüstung der 164-jährigen Türkenherrschaft. Die zurückeroberten Städte boten ein trostloses Bild, außer einigen aus Stein gebauten Moscheen gab es in den unregelmäßigen Straßen nur vernachlässigte Häuser, Schmutz und dreckige Tümpel. Ungeheure Sümpfe und Moräste bedecken die früheren, fruchtbaren Fluren des Banats, die besten Brutstätten für unzählige Insekten und Amphibien, die Gesundheit von Mensch und Tier gefährdeten. Verschiedene Raubtiere hausten ungestört in den an Umfang zugenommenen Waldungen und Gestrüppen. Das faule Sumpfgewässer entwickelte und beherbergte solche Stechmücken, die Menschen Tag und Nacht quälten. Kein fröhlicher Vogelgesang erfreute das Herz der Menschen; dafür aber war das Krächzen der Raben, Krähen und Elster mit Abwechslung des nächtlichen Weherufes der Eule ein immerwährender Ohrenschmaus. Traurig und trostlos waren die Heute gesegneten Fluren unserer gewesenen Heimat, giftig waren Wasser und Luft und durch beide verdorben die Erde.

Die wenigen, noch teilweise bevölkerten Ortschaften waren größtenteils von den Serben und Rumänen bewohnt. Sie betrieben überwiegend nur Weide – und Viehwirtschaft und zeigten wenig Neigung für ihre Landwirtschaft. Auf der Suche nach günstigeren Weiden für die Schafherden zogen viele von ihnen ohne festen Wohnsitz umher. Daher gab es damals größere Raubhorden, die Häuser friedlicher Bewohner plünderten, oft auch in Brand steckten. Die Horden überfielen die Reisenden auf offener Straße und dabei konnten die Überfallenen noch von Glück sprechen, wenn sie bloß ihres Geldes beraubt wurden. Diese Räuberbanden hatten je einen Anführer, den sie wie man noch heute einen verwegenen, schlechten Menschen bezeichnet „Harampascha“ nannten.

Wie sehr die Verwilderung überhandgenommen hatte und die Sicherheit des Lebens und des Eigentums in jener Zeit gefährdet war, beweist wohl die Tatsache, dass im Jahre 1718 in Temeschwar allein 14 Hinrichtungen stattfanden. Jedes Ehrgefühl, jeder Begriff von Recht und Eigentum war, besonders bei den Rumänen, auch in der folgenden Zeit unbekannt. Trotzdem die in die Hände der Behörden gefallenen Räuber und Mordbrenner mit schrecklichen Strafen sowie das Reißen mit glühenden Zangen, Rad und Galgen belegt wurden, gelang es der Regierung erst nach jahrelanger Strenge einigermaßen Ordnung und Gesetzmäßigkeit herzustellen.


Geschichten
  
Gedenken
  
Menschen