Evakuierungsvorbereitungen und Katastrophe

Am 23.August 1944 befahl König Michael von Rumänien die Einstellung der Feindseligkeiten gegen die Sowjets. Aus dem einstigen Bundesgenossen war ein Feind geworden. Dadurch erwuchs für unsere Heimat und ganz besonders für die Grenzgebiete die akute Gefahr, entweder Kampfgebiete oder von den sowjetischen Truppen überrannt zu werden. Unter Berücksichtigung dieser Lage ordnete die Volksgruppenführung Vorbereitungen zur Evakuierung der gesamten deutschen Bevölkerung unserer Heimat an.
Alle Landsleute des von deutschen Truppen besetzten jugoslawischen Teils des Banats begannen mit dem Bepacken der Fuhrwerke. Die verstellbaren Wagen wurden lang gemacht und mit wasserdichten Planen überdacht. Der Flüchtlingstreck sollte nach einem reiflich überlegten Plan vonstatten gehen. Jedem, der kein eigenes Fahrzeug besaß, war die Möglichkeit gegeben, bei einem anderen mitzufahren und seine wenigen Habseligkeiten zu laden. Längst hatten die Lazarfelder diese Aktion abgeschlossen. Alles wartete auf das Signal zum Aufbruch.

 
Da wurde am 18.September durch die Presse die Parole verbreitet: „Wir bleiben hier!“ Trotz offensichtlich anhaltender Gefahr und geringer Hoffnung, dass diese noch abgewendet werden könnte, atmeten die meisten unserer Landsleute bei der Nachricht, daheim bleiben zu dürfen, erleichtert auf. Wie bald aber sollte dieser Erleichterung eine furchtbare Enttäuschung folgen! Der Glaube an die mit der Parole zum Bleiben verbreiteten These, dass unsere Heimat gehalten und nicht von den Russen besetzt werden würde, geriet ins Wanken, als am 25.September ein Flüchtlingstreck aus den Gemeinden des rumänischen Banats und zwar aus Hatzfeld, Ostern, Tschakowa hier eintraf und einquartiert wurde.
Als die Lage immer brenzliger wurde und man täglich mit dem Einmarsch der Russen rechnen musste, beschwichtigte man die ängstlichen Gemüter mit der Nachricht, die Russen steckten noch in den Karpaten und nur einige aus dem Temeswarer Lager entsprungene Russen trieben sich in der Gegend herum. Und um diese zu bekämpfen, setzte man einen Teil der Banater „Deutschen Mannschaft“, also auch Lazarfelder, in Rumänien ein.
Dort erfuhren unsere Männer, dass es sich beileibe nicht um Partisanen handelte, sondern vielmehr um reguläre Truppen der Roten Armee. Am Donnerstag, dem 28.September klärte die Mannschaftsführung aus Großbetschkerek die Volksgruppenführung über die wahre Sachlage auf und forderte umgehend die Evakuierung des gesamten Banats. Die Volksgruppenführung wiederum sah sich außerstande, ohne Genehmigung der reichsdeutschen Besatzungsbehörde, also auf eigene Verantwortung, diese Evakuierung einzuleiten. Tatsache ist wohl, dass der SS- und Polizeiführer von Belgrad, Hermann Behrens, der Volksgruppenführung mit dem Kriegsgericht gedroht hatte, falls sie sich erdreisten sollte, den Befehl zum Absetzen der Bevölkerung zu geben. In dieser Zeit stellte tatsächlich die Flucht der Banater ein Politikum dar.

 
Ungarn stand vor dem inneren Zusammenbruch. Die deutsche Reichsregierung befürchtete, dass Ungarn die aussichtslose Kriegslage erkennen und ebenfalls ins Lager der Russen wechseln würde, wenn die Massen der Deutschen aus dem Banat und der Batschka durch ihr Land zögen. Also opferte man Hunderttausende von Menschen, um einen unsicher gewordenen Bundesgenossen noch für ein paar Wochen hinzuhalten. Diese kurzsichtige politische Notwendigkeit spricht aber die Volksgruppenführung keineswegs von aller Schuld frei. Hätte sie in eigener Verantwortung die Evakuierung veranlasst, so hätte das möglicherweise den Tod einiger Männer bedeutet, nicht aber die Vernichtung Tausender unschuldiger Frauen und Kinder. Erst am Sonntag, den l.Oktober, 24 Uhr, erhielt die Volksgruppenführung die Erlaubnis, die Bevölkerung des Banats zu evakuieren. Für Lazarfeld und die übrigen Dörfer der Umgebung aber kam dieser Befehl zu spät. Nun begann die Tragödie unserer Landsleute und der erschütterndste Abschnitt in der Geschichte Lazarfelds.


Geschichten
  
Gedenken
  
Menschen