Die Josephinische Ansiedlung

Maria Theresias Sohn und Nachfolger Josef II. (1780 – 1790), der schon nach dem Tode seines Vaters Franz Stephan 1765 als 25-jähriger Mitregent seine Mutter tatkräftig unterstützte, übernimmt am 29. November 1780 die Regierungsgewalt. Er war ein Hauptvertreter des aufgeklärten Absolutismus (unbeschränkte Herrschaft, Willkürherrschaft). Noch in den Jahren 1768, 1770 und 1773 besuchte er des Kaisers statt das Banat, daher waren ihm die Ansiedlungsverhältnisse und Administration Südungarns sehr gut bekannt.

Die neu eingeführten ungarischen Verwaltungsregelungen übersah der Kaiser; er nahm sie einfach nicht zur Kenntnis. Die Ungarische Stephanskrone ließ er nach Wien bringen. Die Ansiedlungen der Deutschen auf den leeren, ausgedehnten Staatsgütern wurden von ihm besonders gefördert und unterstützt. Er bevorzugte die Kolonisten des Oberrheingebietes. Das vom 21.September 1782 erlassene Ansiedlungspatent gewährte den deutschen Kolonisten Glaubens- und Gewissensfreiheit. Nun konnten sich die Siedler protestantischen Glaubens in Südungarn niederlassen.

Weiter erhalten die Einwanderer genügend Ackerland, Wiesen, Zug- und Zuchttiere sowie Landwirtschaft- und Haushaltsgeräte. Für die Anschaffung von Geräten und Werkzeugen bekommen die Handwerker 50 Rheinische Gulden. Alle Ansiedler sind 10 Jahre steuerfrei usw. In der Zeit der Josephinische Ansiedlung 1782 – 1788 kommen deutsche Kolonisten – vorwiegend deutsche Protestanten aus der Gegend am Oberrhein, aus der Pfalz, Zweibrücken, Hessen und Frankfurt ins Land.

Die Ansiedler fanden sich wieder so zahlreich ein, dass man dem Andrang 1787 Einhalt gebieten musste. In der Batschka entstanden von 1784 – 1786 folgende neue deutsche Dörfer: Torschau, Tscherwenka, Neuwerbaß, Kleinker, Bulkes, Jarek und Sekitsch mit deutschen Protestanten. Durch neue deutsche Kolonisten verstärkt wurden: Palanka, Neusiwatz, Schowe, Kula, Parabutsch, Serbmiletitsch, Brestowatz, Kernei, Tschonopolja, Bezdan, Stanischitsch und Almasch aus der Rheingegend.

Um die Ansiedlungskosten zu decken und der Staatskasse mehr Einnahmen zu sichern, ordnete der Kaiser am 1.August 1781 den Verkauf der Staatsgüter (Prädien) an. Näheres darüber wird in der Lazarfelder Geschichte berichtet. Am 7.April 1784 führte Kaiser Josef II. wieder das Deutsche als Verwaltungssprache im Banat ein. Gegen diesen Erlass widersetzte sich der ungarische Adel. Wir finden darüber aus dem Jahre 1785 lateinische Amtsniederschriften. Der fortschrittliche Monarch hob bereits am 22. August 1785 die Leibeigenschaft und die Prügelstrafe auf. Nun konnte jeder Bürger seinen Wohnsitz frei wählen. Noch im selben Jahr versetzte er die drei ungarischen Obergespanne in den Ruhestand.

Banat wird in zwei Gebiete eingeteilt: in die Ebene und in das Hügelland. In der Ebene sollten die Serben und Rumänen, nach Meinung des Kaisers, Viehzucht und Handel betreiben und auf dem Hügelland die Deutschen sich mir Ackerbau beschäftigen. Dieser Plan erwies sich alsbald als unwirtschaftlich; denn Handel und Viehzucht reichten damals zur Bestreitung des Lebensunterhaltes kaum aus. Königliche Vertraute verwalteten die Gebiete.

Die Verwaltung des Temescher Gebietes (Komitate Batsch, Torontal, Temesch und Krascho) übernahmen am 14.Juni 1785 Johann Bach. Im letzten Türkeneinbruch kommt der Kaiser am 14.September 1788 zum vierten Mal in das Banat. Der Oberbefehlshaber des 50 000 Mann starken türkischen Heeres Jusuf überschritt die Donau und besetzte Orschowa. Der Kaiser wollte persönlich an der Schlacht gegen Jusuf teilnehmen und befehligte den Mittelabschnitt eines Waldgebietes. In der dunklen, stürmischen Nacht vom 20. Auf 21. September bekämpften sich im Dorfe Sakula, in der Meinung es wäre der Türke vor ihnen, zwei kaiserlichen Truppen. Beide Truppen gerieten in ein wirres Durcheinander und ergriffen die Flucht. Der Kaiser, der von einem leichten Wagen aus die Gefahr sah, sprang sofort in den Sattel und versuchte die Ordnung herzustellen. Vergebens! Er selbst kam in das Kreuzfeuer seiner eigenen Soldaten und wurde von ihnen mitgeschleift. Nach langem Irrweg im Waldgebiet fand er erschöpft die Hauptgruppe. Krank und aufs tiefste enttäuscht kehrt der Kaiser nach Wien zurück. Noch kurz vor seinem Tode setzte er am 28. Januar 1790 seine Erneuerungen außer Kraft.

Die Verfügungen über die Glaubensfreiheit und Leibeigenschaft bleiben aber in vollem Umfange erhalten. Auch die ungarische Stephanskrone sandte er nach Ofen (Buda) zurück. Ohne Thronerben starb Kaiser Josef II. Am 20.April 1790 im Alter von 49 Jahren.


Geschichten
  
Gedenken
  
Menschen