Die Karolingische bzw. Mercy´sche Ansiedlung

Die Einwanderung der Deutschen kam nach den Türkenkriegen und unmittelbar im Anschluss an die Befreiung des Banats, hauptsächlich durch den Aufbau der Städte in Gang. Die völlig zerstörten und verwahrlosten Städte des befreiten Ungarn boten reiche Arbeitsmöglichkeiten für arbeitswillige Menschen. Der baldige Aufbau der Städte war eine wichtige militärische Forderung, da doch die Städte die einzigen wirtschaftlichen und militärischen Stützpunkte darstellten, die eine Behauptung des befreiten Landes erst ermöglichten. Die Niederlassung von deutschen Bürgern, Handwerkern und Bauern in den Städten war deshalb gern gesehen und mit allen Mitteln angeregt und gefördert. Die ersten deutschen Ansiedler in den Städten waren aber nicht nur ausgediente Soldaten. Es waren unter ihnen auch zahlreiche Begleitpersonen der Befreiungsheere und bereits zahlreiche wirkliche Einwanderer, angelockt von den Nachrichten über günstige Arbeitsmöglichkeiten.

In dieser Zeit ließen sich auch wenige griechische Handelsleute im Banat nieder. Das ungarische einheimische Bauerntum im Nordbanat war zahlenmäßig zu schwach, das Aufbauwerk des Landes aus eigener Kraft durchführen zu können, zudem befand es sich in Leibeigenschaft. Die Serben und Rumänen waren damals noch keine Handwerker oder Bauern, sie betrieben überwiegend Handel, Weide – und Viehwirtschaft, hauptsächlich Schafzucht. Als geschichtliche Tatsache muss festgehalten werden, dass bei der Verwendung zu Ansiedlungszwecken unter den sich meldenden und zur Verfügung stehenden Angehörigkeit verschiedener Völker und Nationalitäten keinerlei Unterschied gemacht und keine Bevorzugung vorgenommen wurde.

So wurden katholische Deutsche aus dem Reich gebracht, nebst diesen aber auch Franzosen, Spanier und Italiener angesiedelt. Mit diesen Ansiedlern wurden neue Ortschaften gegründet, oder aber sie wurden in den schwach bevölkerten Gemeinden ansässig gemacht. Solche von Mercy neu angelegte Ortschaften im Banat, die später vergrößert wurden, waren:

    * Weißkirchen 1717 etwa 60 Häuser mit Deutschen aus der Ofener Umgebung,                 später Deutsche aus Lothringen;
    * Sankt Peter 1724 – 1728 mit Deutschen;
    * Neu – Bessenova 1724 – 1748 mit Deutschen, 1758 – 1760 mit Ungarn und 1770     mit Franzosen;
    * Neupetsch zwischen 1720 und 1760 mit Deutschen vom Rhein und Moselgebiet;
    * Detta 1724 und 1763 mit Deutschen und 1763 mit 210 Familien aus Württemberg und Elsaß-Lothringen;
    * Brukkenau 1724 etwa 40 – 50 Häuser mit Deutschen und 1764 mit 92 deutschen Ansiedler aus Elsaß-Lothringen;
    * Gutenbrunn 1720 – 1723 mit Deutschen, 1762 – 1764 etwa 148 Häuser mit Deutschen,
    * Kudritz 1719 als erster Ansiedler Johann Tetz Deutscher aus Elsaß mit seiner Verwandtschaft, zwischen 1720 und 1730 weitere deutsche Ansiedler aus Elsaß-Lothringen, 1763 weiter fünf deutsche Familien.
    * Mercydorf,den Namen des Stifters tragende
      Mercydorf erhielt als Einwohner 1723 – 1725 Spanier und Italiener, 1733 – 1736 kamen neue 119 italienische Familien und 21 ledige Italiener, sie waren für die Einführung des Reisbaues und der Seidenraupenzucht angesiedelt worden.

Die Spanier kamen im Frühjahr 1736 und brachten ihren Pfarrer Mugnos Josef mit. Weder die Italiener noch die Spanier konnten das ungesunde Klima vertragen und gingen alsbald zugrunde. 1752 kam die erste, 1768 1769 die zweite und 1770 die dritte französisch-lothringische Ansiedlung, besiedelten die ersten Deutschen und 1784 – 1786 mit 32 Häusern weitere deutsche Ansiedler den Ort Großbetschkerek, denn, wie schon erwähnt, blieb das „Temescher Banat“ nach dem Frieden zu Karlowitz 1699 unter der Türkenherrschaft. Laut Friedensvertrag waren die Türken verpflichtet, alle Festungen auf diesem Gebiete abzutragen und durften keine neuen errichten. So wurde die schon sehr baufällige Großbetschkereker Festung 1701 zerstört. Herzog Alexander von Württemberg zog ohne Widerstand 1717 mit seiner Truppe, nach 166-jährigen Herrschaft des Halbmondes, in die befreite Stadt ein. Vor dem Türkenkrieg zählte Großbetschkerek 5000 – 6000 Einwohner. Nach der Türkenbefreiung standen noch etwa 100 Häuser, in denen 500 – 600 Serben lebten.

Um die Stadt breitete sich ein großer See aus, der von dem Wasser der Temesch und Bega (weil die Bega in dieser Zeit noch völlig versumpft war) gespeist wurde. Das Wasser verbreitete ungesunde Luft und ansteckende Krankheiten. Eine der ersten Aufgaben, die sich Graf Mercy stellte, war die Trockenlegung der Sümpfe durch den Bau des Begakanals. Daher beauftragte er schon im April des Jahres 1723 Leutnant Ing. Kayser, den Plan in Angriff zu nehmen. Aber erst nach der Trockenlegung der Sümpfe durch den Niederländer Michael Fremaut 1759, wurde Großbetschkerek für die Kolonisten anziehender.

Gleich nach der Befreiung von den Türken 1717 ließ sich ein Teil serbischer Siedler, die unter Anführung des Patriarchen Arsenije Tscharnojewitsch in die Batschka kamen, in Großbetschkerek nieder. Im Jahre 1728 – nach einer anderen Quellenangabe 1736 – kamen Spanier, die den Ort Neu-Barcelona nannten. Die Benennung ging mit den Eingewanderten wieder verloren. Die Spanier konnten die gesundheitsschädlichen Ausdünstungen nicht ertragen und fielen ihnen zum Opfer oder sie wanderten zurück. Nach drei Jahren blieben nur noch 50 spanische Waisenkinder in der Stadt.

Die im Jahre 1724 angesiedelten Deutschen zogen nach Tschakowa. Im September 1737 trafen 30 deutsche Familien aus dem Rheinland in Großbetschkerek ein. Von der Zweibrücker Gegend wurden 1745, also in der frühtheresianischen Zeit, insgesamt 2988 deutsche Familien im Banat angesiedelt, davon wurden der Stadt Großbetschkerek 36 Familien zugeteilt. Nach der Auflösung der Militärgrenze Marosch – Theiß 1751 zogen 2400 serbische Familien nach Süden in das Gebiet der Temesch. Von denen ließen sich auch welche in Großbetschkerek nieder. 1752 kamen von Lothringen Deutsche in die Stadt. Wegen des ungesunden Klimas bekam aber Großbetschkerek 1764 nur vier deutsche Familien zugeteilt. Aus der Baranja ließen sich 1768 einige ungarische Familien nieder. Ende des 18. Jahrhunderts brachten verschiedene Grundbesitzer ungarische und slowakische Tabakpflanzer aus der Umgebung Szegedins und Bekes nach Großbetschkerek. Diese, teils neu angelegten, teils nur erweiterten Ortschaften wurden später, in der Zeit von 1762 – 1784, durch Zubauten abermals vergrößert.

Mercys Bestreben war jedoch nicht allein der Hebung der Bodenkultur gewidmet, auch Straßenbau, Handel und Industrie vergaß er nicht und über dem Streben für das zeitliche Wohl des Landes, übersah er die Wichtigkeit der geistigen und moralischen Bildung der Bewohner ebenfalls nicht. Noch zu seiner Lebenszeit wurde die wichtigste Wasserstraße, sogleich die Trockenlegung Banats der 70 km lange Bega-Kanal von Temeschwar bis Klek 1728 – 1733 erbaut. Erst 1806 war die Alt-Bega von Klek bis zur Theiß bei Perles (Titel) schiffbar.

Es wurden Kirchen und Schulen erbaut und somit auch für die geistigen Bedürfnisse der Bevölkerung gesorgt. Bestätigt finden wir dies dadurch, dass im Jahre 1733, also ein Jahr vor dem erfolgten Tod des tatenreichen Mannes, im Banat bereits 21 kath. Pfarreien blühten, in Großbetschkerek soll schon 1722 eine aufgenommen worden sein, während bei der Wiedereroberung des Landes nur eine einzige Pfarrei in Orawitza bestand, denn die oben erwähnten übrigen vier Pfarreien befanden sich ja jenseits der Marosch, also nicht im Banat. Die Pantschowaer kath. Pfarrei betreuten die aus Bosnien stammenden Franziskaner.

Nach dem Tode Mercys war die fernere Ansiedlung teils der abermaligen Türkeneinbrüche, teils aber auch der Cholera und Pestkrankheit wegen unterbrochen und fand erst 1763 ihre Fortsetzung. Auf welcher niedrigen Bildungsstufe das Volk im Allgemeinen stand, trotzdem Graf Mercy zur Hebung derselben alles aufbot, beweist die Tatsache, dass nicht nur das ungebildete Volk, sondern die gebildeten Stände dem Aberglauben blindlings huldigten. Es war dies der Glaube an Zauberer und Hexen, dem viele unschuldige Menschen zum Opfer fielen.

Ein Unglück kommt selten allein. Zuerst erschüttert der dritte Türkenkrieg 1737 – 39 die Stellung Österreichs und des Kaisers im Südosten. Im Frühjahr 1737 brach der Russisch-Türkische Krieg aus. Kaiser Karl der 6. Als Verbündeter Russlands wurde auch darin verwickelt. Das Kaiserliche Heer unter Führung Friedrich Seckendorfs wurde von den Türken mehrmals geschlagen. Mohammed Hadschi überquerte mit 25000 Mann 1738 bei Orschowa die Donau, eroberte Pantschowa und drang ins Banat ein. Die Deutschen flohen nach Norden, nach Ungarn und kamen nicht mehr in ihre Wohnsitze zurück. Ihre Siedlungen entlang der Donau wurden ein Raub der Flammen. Zu den Türken gesellten sich aus Habgier die Rumänen des östlichen Hügellandes und gemeinsam vernichteten sie die Gegend Weißkirchen, Pantschowa, Werschertz, Lippa und Tschakowa. Sie brannten Dörfer und Städte nieder und mordeten erbarmungslos deren Einwohner.

Außer dem dritten Türkeneinbruch kam das zweite Unglück, es war die fürchterliche und grausame Pest, eine schreckliche Plage für das kaum begonnene Werk des Friedens. Im Jahre 1738 im Monat Februar brach zuerst unter den von Siebenbürgen nach Temeschwar versetzten Soldaten – Regiment Grüne – die Pestseuche aus und verbreitete sich alsbald unter den Bewohnern der Stadt. Um die Ausbreitung der mörderischen Seuche zu unterbinden, wurden sogleich umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen. Doch die strengsten Maßregeln waren nicht in der Lage, das Fortschreiten der bösen Krankheit zu hemmen und sie verbreitete sich alsbald über ganz Südungarn. Diese fürchterliche Krankheit raffte in kurzer Zeit (von 1738 – 1740) allein im Banat über 3000 Menschen hinweg, was als eine sehr hohe Zahl zu betrachten ist, wenn wir sie mit der damaligen Bevölkerungszahl vergleichen (30 – 35000). Als Beispiel sei hier angeführt, dass Temeschwar damals beiläufig nur 6000 Seelen zählte, von welcher Zahl jeder sechste der tückischen Pest zum Opfer fiel. Laut Berichten aus damaliger Zeit hätten die angewendeten Maßregeln die Verbreitung der Pest verhindern können, doch wirkte überall hemmend die Unwissenheit und der Widerwille des Volkes gegen die Medikamente.

Während im nächsten Jahre die Seuchen ihren Höhepunkt erreichte, überquerten am 30. Juli die kaiserlichen Truppen bei Belgrad die Donau und schlugen unter Führung der Generäle Wallisch, Neipperg und Herzog Lobkowitz vernichtend das türkische Heer. Auf dem Schlachtfeld blieben 800 Türken und 100 kaiserliche Soldaten zurück. Durch die Vermittlung des französischen Gesandten Villeneuf schloss jedoch der Kaiser am 1.September 1739 mit der Pforte auf 27 Jahre Frieden. Nach dem Belgrader Frieden wurde Belgrad, Serbien, Bosnien und Rumänien den Türken überlassen, die Festung bei Pantschowa musste abgetragen werden; das Banat hingegen blieb weiter unter Österreich. Mit dem Verlust von Belgrad und Nordserbien war das Banat wieder unmittelbares Grenzland geworden. In den folgenden Jahren musste die Militärgrenze ausgebaut und erweitert werden, dadurch kam es 1751 – 52 zur Auflösung der Theiß – Maroscher Militärgrenze.


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