Die Ursachen der Auswanderung unserer Ahnen

Die Enge des Raumes hat bei eintretender Übervölkerung, 100 Jahre nach dem 30 – Jährigen Krieg, und bei auftauchender wirtschaftlichen Schwierigkeiten seit jeher die Auswanderung der Deutschen verursacht.

Der Druck und die Willkür der Landesherrn, ihre Ausbeutungssucht sowie die politische Rechtlosigkeit der Bauern in den zahlreichen Zwergstaaten im Süden und Westen Deutschlands, dann das Anwachsen der Bevölkerung in diesen Gebieten waren die Triebfedern, die unsere Vorfahren zu dem jedenfalls nicht leichten Entschluss zur Auswanderung veranlassten. Waren auf der einen Seite die angeführten Ursachen den Auswanderern bekannt und gehasst, so musste auf der anderen Seite der Aufruf des Kaisers mit seinen Begünstigungen eine mächtige Anziehungskraft auf die unterdrückten Bauern ausüben. Boden war zu erhalten erblich und ohne Zahlung, so man sich nur tüchtig bewährt. Untüchtige wurden wieder abgeschoben.

Die ersten Kolonisten mussten ihre Häuser selbst bauen, Inventar selbst kaufen und hatten dafür 3 – 4, später 5 – 6 Freijahre ohne Abgaben und Roboten. Zwischen der Einwanderung der Deutschen und der Serben nach Südungarn herrschte ein wesentlicher Unterschied. Die Serben kamen zuerst als Volk auf der Flucht im 14 Jh. Später im 17 Jh. aber als Gemeinschaft, mit ihrem geistlichen Oberhaupt, dem Patriarchen an der Spitze, der sogar die Gebeine des großen Königs Nemanja mit sich führte, und sie erbaten vom Kaiser nur vorübergehendes Asyl in Ungarn, um dann später, nach der Vertreibung der Türken, wieder in ihre alte Heimat zurückzukehren. Den Serben drohte damals die Gefahr, dass viele Menschen von den Türken getötet werden. Sie wussten, dass ihr Leben nur von der Gesinnung des Kaisers, der nördlich der Donau und der Save herrschte, abhing, und sie bauten auf seine menschenfreundliche Gesinnung. Daher baten sie, die Flüchtlinge, um die Rettung ihres Lebens.

Kaiser Leopold I., seine Soldaten und die Bevölkerung hatten nicht nur Mitleid mit diesen unschuldigen Menschen und gewährten Asyl, sondern sie stellten ihnen ganze Provinzen zur Verfügung. So kamen die Serben 1690 in die Batschka, nach Srem und in das Banat, das nach 1918 in Jugoslawien die Wojwodina genannt wurde. Noch heute sind jene serbischen Dörfer, jene serbischen Städte die in dieser Zeit angelegt und erbaut wurden sowie jeder serbische Mensch, der von jenen serbischen Flüchtlingen abstammt, in der Wojwodina Zeuge dieser menschlichen Gesinnung des deutschen Volkes. Denn nur diese haben jene Menschen vor der Vernichtung bewahrt, und zwar dadurch, dass der deutsche Kaiser die serbischen Flüchtlinge vor der Rache der Türken schützte, und dass das deutsche Volk, vertreten durch Beamte, Handwerker und Baumeister, dem serbischen Volk beim Aufbau seiner Häuser, Schulen, Kirchen, Dörfer und Städte half. Seitdem die serbischen Flüchtlinge in die Wojwodina (Banat, Batschka und Syrmien) kamen, hat sich ihre Zahl verzehnfacht.

Aus den sechzigtausend (nach Angaben der „Matica Srpska“ in Neusatz) leidgeprüften, heimatlosen Menschen sind bis 1918 eine halbe Million wohlhabender Bürger geworden. Das Gebiet, in das die einst als Flüchtlinge kamen, haben sie zu ihrer Heimat gemacht und 1918 an ihren Staat Jugoslawien angeschlossen. Der deutsche Kolonist wollte nicht nur vorübergehend in Südungarn angesiedelt werden. Er wollte hier ständig bleiben und eine neue Heimat für Kinder und Nachkommen aufbauen. Der Kaiser verhieß ihm seinen Schutz auf ewige Zeiten. Sie blieben ja unter der Herrschaft des Römischen Reiches Deutscher Nation, in dem sie auch bisher schon gelebt hatten, nur ihren unmittelbaren Landesherrn verloren sie, dem sie aber meistens nicht sonderlich nachtrauerten, da er ihrem Leben oft nur Bedrückung und Benachteiligung bedeutet hatte.


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